BJF-Jugend Filmjury bei der Berlinale 2026
Am 14. und 15.02. sichtete die Berliner BJF-Jugend Filmjury im Haus der Kulturen der Welt, dem Zuhause der Sektion Generation, die Filme QUATRO MENINAS / FOUR GIRLS, A FAMILY UND FEITO PIPA / GUGU'S WORLD gemeinsam mit Berliner Juryleiterin Eva-Maria Schneider-Reuter sowie Sabine Pegler, einer langjährigen Jurymama, die die Berliner Jury von Anfang an unterstützt. Die ersten Eindrücke zu den Filmen der BJF-Jugend Filmjury:
In dem Film QUATRO MENINAS geht es um vier junge Dienstmädchen auf einem Internat in Brasilien. Sie fliehen, um der dort herrschenden Ungerechtigkeit zu entkommen und ihr eigenes Leben aufzubauen. Sie werden jedoch von Schülerinnen des Internats erwischt. Sie zwingen die Dienstmädchen dazu, sie ebenfalls mitzunehmen. So beginnt eine Flucht ins Ungewisse. Der Film greift viele wichtige Themen auf, darunter Rassismus, Machtmissbrauch und Freundschaft. Sogar die Liebe unter Schwarzen Frauen wird kurzzeitig thematisiert. Am Anfang ist der Spalt zwischen den Schülerinnen und den Dienstmädchen riesig, doch im Laufe des Filmes kann man gut mitverfolgen, wie sich die Mädchen immer näherkommen. Mir ist außerdem aufgefallen, dass sich der Film sehr viel Zeit nimmt: Jeder Tag wird detailliert gezeigt, es beginnt mit dem Frühstück und endet mit dem Abendbrot. Außerdem sind mir die Szenen aufgefallen, wo eine Weile zum Beispiel nur die Geräusche des Waldes oder das Rascheln von Blättern zu hören sind. Diese bestimmten, ruhigen Szenen geben einem die Gelegenheit, nochmal über die vorausgegangene Szene nachzudenken. Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen und mich sehr beeindruckt.
- Liria, 14 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
Der Film QUADRO MENINAS stellt auf eine direkte Art und Weise die Machtverhältnisse in Brasilien am Ende des 19. Jahrhunderts dar. Acht Mädchen flüchten aus einem Internat mitten im mächtigen Amazonasregenwald und finden in einer verlassenen Villa Unterschlupf. Doch schnell treten Probleme zwischen den vier Schwarzen und vier weißen Mädchen auf, da die weißen Mädchen immer noch von den Schwarzen Mädchen, die im Internat ihre Bediensteten waren, umsorgt werden wollen. Vor allem durch die Besonderheit des Themas hat mich der Film von der ersten Minute an angesprochen.
- Hannes, 16 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
QUATTRO MENINAS ist ein Film, der uns einen Einblick in das Leben von vier Schwarzen Dienstmädchen nach der Sklaverei in Brasilien gibt. Der Film hat mir sehr gut gefallen, da ich finde, dass es wirklich ein sehr schöner Film ist, mit wunderbarer Kameraführung und einer tollen Geschichte: nämlich die der Sklaverei in Brasilien, über die viel zu wenig geredet wird. Ich finde den Film sehr faszinierend, vor allem wegen der Geschichte. Denn wie schön ist es, dass zu diesem Thema, einem Thema, das weltweit oft nicht ausreichend behandelt wird, ein Film gedreht wurde, um Menschen einen Einblick in das Leben Schwarzer Dienstmädchen im Jahr 1884 zu geben. Ich finde an dem Film ebenfalls gut, dass er das Thema, würde ich sagen, sehr kindgerecht dargestellt hat, um es auch einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen. Das ist nicht immer einfach, weil es keine schöne Geschichte ist, die man verharmlosen sollte, aber ich finde, hier hat es irgendwie gepasst. Eine der Produzent:innen hatte erwähnt, dass sie von einer Geschichte inspiriert wurde, die sie einmal erzählt bekommen hat, vielleicht als Kind. Das könnte auch der Grund sein, warum der Film eher weniger brutal gestaltet ist, da es eben eine kindliche Erzählung war.
- Queena, 16 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
A FAMILY, ein Film über eine getrennte Familie, erzählt aus der Sicht der Hauptleidtragenden, den Kindern. Mit zwei Perspektiven zeigt der Film mit einer teilweise verstörenden Ehrlichkeit, aber auch so, dass ich die Hoffnung nicht verlor, wie zwei Geschwister die Trennung ihrer Eltern erleben. Eltern vor, während und nach einer Trennung sollten diesen Film schauen, um zu sehen, was sie nie tun dürfen, aber, und das ganz besonders, auch Kinder, um die Hoffnung nicht zu verlieren.
- Ottilia, 15 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
Bei einer Scheidung muss als erstes auf die Kinder geachtet werden! Mit dieser eindeutigen Botschaft waren am Ende des Filmes A FAMILY alle einverstanden.
- Hannes, 16 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
FEITO PIPA – verträumt und ganz beschwingt.
So würden wahrscheinlich alle den „zu mädchenhaften“ Gugu beschreiben. Aber weil genau das in dem kleinen brasilianischen Dorf, in dem er mit seiner Großmutter unter einem Dach lebt, verhöhnt wird, muss Gugu viel ertragen, ohne etwas tun zu können. Durch die Wasserknappheit des zwangsgefluteten Stausees kommen bei Gugus Großmutter Dilma grauenvolle Erinnerungen aus der Zeit hoch, in der ihre Tochter noch lebte und alles in ihrer Macht Stehende gegen diesen Stausee unternahm. Dilma wird durch ihre rasant vorschreitende Demenz immer tiefer in diese Erinnerungen gezogen, wodurch Gugu schon bald zu seinem Vater und seiner neuen Familie ziehen muss. Gugus herzzerreißende Geschichte greift das Thema „anders“ zu sein in einer berührenden Art und Weise auf, sodass wohl alle Zuschauer:innen in Gugus schweren Momenten mit ihm mitweinen könnten, sich aber auch ohne Weiteres in Augenblicken voller Lebensfreude mitreißen lassen. Die liebevolle und harmonische Beziehung zwischen ihm und Dilma ist so fabelhaft dargestellt, ganz besonders im Tanz der beiden. Für das Thema, welches der Film vermittelte, war er ein wunderbarer Botschafter.
- Samuel, 14 Jahre, BJF-Jugend Filmjury Berlin
Um gemeinsam den Film MATAPANKI bei der Berlinale zu sichten, sind insgesamt neun von 17 Mitgliedern der diesjährigen Kindertiger-Jury sind aus Hildesheim, Erfurt und Berlin angereist. Mit dabei waren Tomma, Tilli, Phoebe, Luisa, Amaru, Leo, Emilia, Andra und Hannah sowie auch die Erfurter Juryleiterin Suse Schweizer und Filmvermittlerin Eva-Maria Schneider-Reuter aus Berlin.
Ein echtes Highlight: Konstantin Marx, ehemaliges Mitglied der Berliner Jugend Filmjury, hielt während der Berlinale in der Akademie der Künste die Laudatio für den Gewinner des Kinderfilmpreises der Deutsche Filmkritik 2025. Gemeinsam mit seinen Jurykolleg:innen Katrin Hoffmann und Bianka Piringer war er Jurymitglied für den Kinderfilm.
Fotoimpressionen:

(Foto: Tomma, Tilli, Phoebe, Luisa, Amaru, Leo, Emilia, Andra und Hannah mit Suse Schweizer und Eva-Maria Schneider-Reuter)


(Foto: Konstantin Marx hält die Laudatio in der Akademie der Künste)