Echoes from Borderland

Filmplakat: Echoes from Borderland

Nahid lebt in einem Zeltlager in Bosnien und Herzegowina. Sie hat mit vielen anderen das gleiche Ziel: über die Grenze nach Kroatien flüchten und in der EU ein neues Leben beginnen. Flucht bedeutet für sie und ihre Familie, Frieden zu finden und dem Krieg und Terror ihrer Heimat Afghanistan zu entkommen. Wir begleiten nicht nur sie, sondern auch Ferida, eine Frau, die an der Grenze lebt und die zurückgedrängten Flüchtlinge bestmöglich unterstützen möchte. Die brutalsten polizeilichen Methoden lassen die Menschen verzweifeln, da auch Nahids Zukunft in Deutschland immer unmöglicher scheint. Obwohl wir nicht alle Pushbacks im Film sehen, werden Zeltlager als einzige Unterkunft zerstört, illegale Deportationen nach Sarajevo vorgenommen und nur unerreichbare Geldsummen stellen eine realistische Perspektive für sie dar.

Dieser fortlaufende Kampf ist ermüdend und stößt nicht nur an geografische, sondern auch gesetzliche Grenzen, die unsere westliche Rechtsstaatlichkeit in Frage stellen lassen.

„Denn Grenzen sind nur Fiktion.“ – Wenn so eine Aussage in einem Film fällt, ist klar, dieser kann nicht nur geschaut, sondern auch diskutiert werden muss. Durch den direkten Einstieg an einer prekären Grenzsituation, bietet die Dokumentation keine Hinführung in die Thematik Flucht. Vielmehr setzt sie Wissen voraus, deswegen finden wir gut, dass wir zu Beginn den Kontext faktisch erklärt bekommen.

Dank der schönen szenischen Aufnahmen in Verbindung mit einer poetischen Erzählweise wird eine ruhige Atmosphäre kreiert, welche eine Darstellung von Flucht ermöglicht, die den Fokus von Gewalt wegrückt/wegnimmt. Genau das regt das Publikum zum Nachdenken an. Zudem werden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet, welche in anderen Dokumentationen häufig wegfallen, wie zum Beispiel die der Anwohner:innen an der Grenze.

Irritierend fanden wir jedoch, dass der Film sich von Elementen des Dokumentar-, sowie des Spielfilms bedient, was dazu führte, dass uns nicht immer klar war, was Fiktion und was Realität ist. Dadurch entstand eine gewisse Distanz zu den Schicksalen, welche ein emotionales Eintauchen erschwerte. Beim Filmgespräch wurde uns aber klar, dass man den Film nicht nur auf eine Weise betrachten kann, da wir alle verschiedene Ansichten vertreten haben. So kann die Kombination von Dokumentar- und Spielfilm auch positiv wahrgenommen werden, weil diese dazu führt, dass das Thema Flucht nicht überemotionalisiert oder beschönigt wird. Eben alles eine Frage der Perspektive und genau deswegen liegt es uns am Herzen, dass der Film ECHOES FROM BORDERLAND nicht nur geschaut wird, sondern auch mit einer ausführlichen Diskussion eingeordnet wird.

Darum empfehlen wir die Dokumentation ab 14 Jahren, vorzugsweise verbunden mit einer Vor- und Nachbereitung.

ruhig
realitätsnah
poetisch
tragisch
emotional

Elterninfos:Altersempfehlung der JFJ: Ergänzend zur gesetzlichen Altersfreigabe der Jugendschutz-Experten der FSK spricht die FBW-Jugend Filmjury Filmempfehlungen und Alterseinschätzungen aus. Damit geben die mit Kindern und Jugendlichen besetzten Jurys Hinweise, ab wann ein Film aus ihrer Sicht für das junge Publikum geeignet ist. Dies soll Eltern und Kindern bei der Auswahl altersgemäßer Filme helfen, als auch Orientierung geben hinsichtlich ihrer individuellen Ansprüche.

FSK: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist damit beauftragt, auf Basis des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) zu prüfen, für welche Altersstufen ein Film keine gefährdende Wirkung hat (0, 6, 12, 16 und 18 Jahren). Die FSK-Ausschüsse sprechen Freigaben nach der gesetzlichen Vorgabe aus, dass Filme und andere Trägermedien, die "geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen", nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden dürfen (§ 14 Abs. 1 JuSchG).

FSK Website:fsk.de;
Visionkino:visionkino.de

Mit dem Filmwecker erfährst Du, wann der Film in einem Kino in Deiner Nähe läuft:
Ein Service von kino-zeit.de