Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens

Filmplakat: Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens

Dieser künstlerische Animationsfilm führt den Zuschauer nach Japan Ende der 1960er Jahre. Er schildert das alltägliche Leben aus einer kindlich verspielten Sicht, welche die meisten von uns bereits vergessen haben könnten. Die fast dreijährige Hauptfigur Amélie wird liebevoll durch viele ihrer ersten Male des Lebens begleitet, seien sie nun aufregend, lehrreich oder bedrückend. Dabei sammelt sie Erfahrungen zu vertrauten Themen wie Freundschaft, familiären Beziehungen und Verlust. Voller Fantasie und Tiefgründigkeit wird den Zuschauenden nähergebracht, wie Kleinkinder die Umstände, in denen sie aufwachsen, wahrnehmen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auch auf den emotional starken Bindungen, die sie zu einzelnen Bezugspersonen aufbaut und die damit verbundenen Höhen und Tiefen, die für die Zuschauenden glaubwürdig nachvollziehbar sind.

Die Bilder dieses ästhetischen Animationsfilms, welcher sehr kinderbuchähnlich illustriert wurde, erinnern im Stil an Zeichnungen aus Ölkreide. Die farbenfrohe Bildgestaltung wird zusätzlich durch den präzisen Einsatz von Licht und Schatten akzentuiert, der den Bildern so eine größere Tiefe gibt. Die Zuschauenden werden von Amélie an die Hand genommen und erleben die Welt vielfach aus der Untersicht der Hauptfigur. Die Schnittfolge ist überwiegend langsam, mit sehr schönen Übergängen zwischen den Szenen. Sie nimmt jedoch in starken Montagesequenzen an Fahrt auf. Dabei werden auch viele unterschiedliche Szenenbilder assoziativ miteinander kombiniert. Diese Abstraktion gibt dem Betrachter große Freiheit für eigene Interpretationen.
Die musikalische Ebene des Films ist besonders entscheidend, da sie die Verspieltheit von Amélie aufgreift, Emotionen - über die Bilder hinaus - setzt und diese tatkräftig unterstützt.

Der Film hat uns sehr fasziniert und emotional berührt. Trotz des verspielten Animationsstils ist dies unserer Meinung nach kein Kinderfilm, da nach weiterer Reflektion hier tiefgründige und teilweise belastende Eindrücke aufgegriffen werden, welche Kinder schlecht verarbeiten könnten. Allein die Selbstbezeichnung der Hauptfigur als „Gott“ läuft Gefahr zu wörtlich genommen zu werden, was der weiteren Deutung des Films deutlich schaden könnte.

Der Film ist auf jeden Fall älteren Zuschauergruppen aller Geschlechter sehr zu empfehlen, wobei die Altersgrenze nach oben offen ist.

berührend
ästhetisch
künstlerisch
fantasievoll
tiefgründig
Gattung:Animationsfilm
Regie:Liane-Cho Han; Mailys Vallade
Drehbuch:Liane-Cho Han; Aude Py; Maïlys Vallade; Eddine Noël
Schnitt:Ludovic Versace
Musik:Mari Fukuhara
Länge:75 Minuten
Kinostart:11.06.2026
Verleih:Piece of Magic Entertainment
FSK:6
Elterninfos:Altersempfehlung der JFJ: Ergänzend zur gesetzlichen Altersfreigabe der Jugendschutz-Experten der FSK spricht die BJF-Jugend Filmjury Filmempfehlungen und Alterseinschätzungen aus. Damit geben die mit Kindern und Jugendlichen besetzten Jurys Hinweise, ab wann ein Film aus ihrer Sicht für das junge Publikum geeignet ist. Dies soll Eltern und Kindern bei der Auswahl altersgemäßer Filme helfen, als auch Orientierung geben hinsichtlich ihrer individuellen Ansprüche.

FSK: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist damit beauftragt, auf Basis des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) zu prüfen, für welche Altersstufen ein Film keine gefährdende Wirkung hat (0, 6, 12, 16 und 18 Jahren). Die FSK-Ausschüsse sprechen Freigaben nach der gesetzlichen Vorgabe aus, dass Filme und andere Trägermedien, die "geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen", nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden dürfen (§ 14 Abs. 1 JuSchG).

FSK Website:fsk.de;
Visionkino:visionkino.de

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